Herzlich willkommen zum Online-Dossier “Gemeinsam stark!”
Noch immer sehen sich Frauen* in der öffentlichen Verwaltung, in Verbänden und in der Kommunalpolitik mit antifeministischen und rassistischen Aussagen konfrontiert. In der praxisnahen Qualifizierungsreihe „Gemeinsam stark! Machtkritisches Empowerment für Frauen in Verwaltung und Ehrenamt“ (2024-2025) wurden ehren- und hauptamtlich engagierte Frauen* für Mehrfachdiskriminierung sensibilisiert und in ihren Handlungsmöglichkeiten gestärkt.
In diesem Online-Dossier schreiben Expertinnen aus der Bildungspraxis über die Themen der Qualifizierungsreihe und geben einen Ein- und Ausblick in ihre Arbeitsfelder: Resilienz und Selbstfürsorge, Female Empowerment, Organisationen diverser aufstellen, Sexismus in der Gleichstellungsarbeit in Niedersachsen.
Wir wünschen eine anregende Lektüre!
Sinem Eker-Karat
ist freie Referentin für die Themen Rassismuskritik und Empowerment und bietet seit vielen Jahren bundesweit Seminare und Vorträge zur Sensibilisierung und Weiterbildung an.
Gośka Soluch
ist Dozentin, Coach und Supervisorin mit Schwerpunkt auf Antidiskriminierung und Stressmanagement. In ihrer Arbeit schafft sie Reflexionsräume, die entlasten und Handlungssicherheit stärken. Dabei ist ihr wichtig, Wirksamkeit zu ermöglichen, ohne dass Menschen sich dabei selbst aufbrauchen.
Amelie Henze
ist Bildungsreferentin für Workshopgestaltung, Vielfalt und Queerfeminismus. Seit 2024 ist sie als Referentin und Bildungsexpertin im VNB-Projekt ‘Schnack’n Roll – Gemeinsam diversitätsbewusster werden‘ und seinem Nachfolgeprojekt aktiv.
Glossar
“Was bedeutet eigentlich…?”
Ein paar Definitionen und Annäherungen an wichtige Begriffe aus den Dossier-Texten.
Zum schnellen Nachschlagen.
Kurz und auf den Punkt.
Verfasst von der VNB-Fachstelle vielgestaltig* 2.0 für diskriminierungskritische Bildungsarbeit.
Diversität
Diversität bedeutet Vielfalt und bezieht sich meist auf unser gesellschaftliches Zusammenleben. In unserer heutigen Gesellschaft unterscheiden sich Menschen mit Blick auf Lebensentwürfe, Alter, Geschlecht, Herkunft, Klasse, Weltanschauung, sexuelle Identität, Körper und Religion. Diese Merkmale werden gesellschaftlich nicht gleich bewertet, was zu Diskriminierung einzelner Personen oder Gruppen führt und Menschen Teilhabechancen verwehrt. 
Quelle: https://www.fes.de/wissen/gender-glossar/diversitaet
Intersektionaler Feminismus
Ein intersektionaler Feminismus hat sich zum Ziel gesetzt, Mehrfachdiskriminierungen anzuerkennen und Mehrfachzugehörigkeiten zu akzeptieren. Das bedeutet, er kämpft für eine gerechte Gesellschaft für Personen
aller Geschlechter und akzeptiert, dass es neben Sexismus andere Diskriminierungsformen gibt, die ebenso abgebaut werden müssen. Sexismus wird somit nicht losgelöst von Rassismus, Antisemitismus, Klassismus, Ableismus etc. gedacht. Ein intersektionaler Feminismus möchte nicht für alle* sprechen, sondern individuelle Unterschiede zwischen Personen anerkennen. Aus diesem Grund ist er inklusiver, gerechter und solidarischer als ein Feminismus, der allein weiße Frauen in den Fokus nimmt und die Existenz von anderen Diskriminierungsformen weitestgehend ignoriert.
Quelle: https://projekt-vielgestaltig.de/gedankengemuese/gedankengemuese-01-intersektionaler-feminismus/
Antifeminismus
Unter Antifeminismus werden soziale Bewegungen oder gesellschaftliche, politische, religiöse und akademische Strömungen verstanden, die sich organisiert gegen Feminismus wenden. Antifeminismus richtet
sich gegen feministische und gleichstellungsorientiert Anliegen, wie z.B. die Beseitigung von Sexismus, die Umsetzung von Gleichberechtigung oder die Stärkung weiblicher Selbstbestimmung. Antifeministische Vorfälle können sich u.a. als sexistisch und frauenfeindlich motivierte Übergriffe äußern. Darüber hinaus beziehen sie sich häufig auf ein konkretes Ereignis und lassen dabei ein organisiertes Vorgehen bzw. eine dahinterliegende politische Strategie erkennen.
Quelle: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/antifeminismus/was-ist-antifeminismus/
Rassismus
Rassismus ist eine Ideologie, die Menschen aufgrund ihres Äußeren, ihres Namens, ihrer (vermeintlichen) Kultur, Herkunft, Sprache oder Religion abwertet. In Deutschland betrifft das nicht-weiße Menschen – jene, die
als nicht-deutsch, also vermeintlich nicht wirklich zugehörig angesehen werden. Wenn Menschen nicht nach ihren individuellen Fähigkeiten und Eigenschaften, sondern als Teil einer vermeintlich homogenen Gruppe beurteilt und abgewertet werden, dann ist das Rassismus. Rassismus äußertsich nicht nur individuell, sondern ist in Deutschland ebenso in Institutionen und strukturell in der Gesellschaft verankert.
Quelle: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/rassismus/was-ist-rassismus/
Sexismus
Sexismus beschreibt die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Er betrifft Menschen, die vom Patriarchat unterdrückt werden, also Mädchen und Frauen sowie Personen, die sich nicht der zweigeschlechtlichen Vorstellungen von Geschlecht zuordnen lassen, sogenannten FINTA-Personen (Frauen, Inter, Nicht-binär, Trans, A-binär). Er begründet sich aus Geschlechterstereotypen und Rollenbildern darüber, wie Menschen aufgrund ihres Geschlechts „zu sein haben“. Insbesondere Frauen und Queers wurden in der Vergangenheit (und werden auch noch heute) stark marginalisiert und auf vielfältige Weisen unterdrückt.
Quelle: https://www.gemeinsam-gegen-sexismus.de/ueber-sexismus/wissen-ueber-sexismus/

Intersektionalität
Der Begriff Intersektionalität geht auf die afroamerikanische Juristin Kimberlé Crenshaw (1989) zurück. In ihrer Analyse von sogenannten Civil Rights Cases stellte sie erstmals fest, dass verschiedene Unterdrückungsformen nicht losgelöst voneinander
betrachtet werden können. Intersektionalität bedeutet die Anerkennung von Mehrfachdiskriminierungen. Das bedeutet, dass eine Person häufig nicht nur aufgrund eines Merkmal diskriminiert wird (z.B., weil sie eine Frau ist), sondern aufgrund der Verschränkung mehrerer Merkmale miteinander (z.B., weil sie eine Schwarze Frau ist).
Quelle: https://projekt-vielgestaltig.de/gedankengemuese/gedankengemuese-01-intersektionaler-feminismus/
Hannah Lutat
hat Philosophie, Politik und Sozialwissenschaften in Berlin, Venedig und Bremen studiert. Sie ist Beraterin, Referentin und Trainerin für Rassismuskritik & Empowerment.
Zaina Filah
ist Empowerment-Trainerin und Gründerin des Frauensportstudios habiba in Hannover. Ihre Bildungsarbeit und ihre Leidenschaft für Sport haben sie zur Gründung von habiba geführt. Neben ihrem Sportstudio gibt sie Workshops zu den Themen Female Empowerment und Rassismuskritik.
Editha Schwohl-Masberg
ist Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nienburg an der Weser und Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Gleichstellung in Niedersachsen.
Das Projekt: Gemeinsam stark! Machtkritisches Empowerment für Frauen* in Verwaltung und Ehrenamt
Noch immer sind Frauen* in der öffentlichen Verwaltung, in Verbänden und Kommunalpolitik von antifeministischen Äußerungen betroffen. Oftmals sehen sie ihre gleichstellungspolitischen Tätigkeiten auch innerhalb der eigenen Institutionen in Frage gestellt und müssen sich gegenüber persönlichen Anfeindungen behaupten. Die Intensität der Angriffe durch Akteur*innen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Mit der Qualifizierungsreihe “Gemeinsam stark” wurden Frauen* durch praxisnahe Trainings mit vorangehenden theoretischen Einheiten zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF), den spezifischen Projektionen und Abwehrmechanismen von Antifeminismus und Rassismus und deren intersektionaler Verknüpfung sensibilisiert und in ihren Handlungsmöglichkeiten gestärkt.
Projektlaufzeit: 01.04.2024 – 31.12.2025
Ansprechpersonen:
- Sandrine Witolla (Pädagogische Begleitung)
- Lisa Doppler | lisa.doppler@vnb.de (Pädagogische Begleitung)
- Erik Springer | erik.springer@vnb.de (Redaktionelle Begleitung Dossier)
Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf unserer Projektseite.
Für die Inhalte der Artikel sind die Autor*innen verantwortlich.
Das Folgeprojekt ist gestartet! Unter dem Titel “Feministisch. Solidarisch. Intersektional. Haltung zeigen gegen Antifeminismus, Rassismus und Queerfeindlichkeit” findet eine weitere Qualifizierungsreihe ab Herbst 2026 statt.
Ansprechpersonen:
- Lisa Doppler | lisa.doppler@vnb.de | +49 (0) 511 – 123 56 49-18
- Isabel Herth | isabel.herth@vnb.de | +49 (0) 511 – 123 56 49-21









