Female Empowerment: Durchboxen für Gleichstellung
von Zaina Filah
Frauen in Verwaltung und Ehrenamt
Sie organisieren, moderieren, vermitteln, entscheiden und tragen Verantwortung – oft leise, oft selbstverständlich, oft unter herausfordernden Bedingungen. Gleichzeitig erleben viele von ihnen Widerstand in Form von Diskriminierung. Für viele Frauen in Verwaltung und Ehrenamt gehören sexistische, rassistische oder antifeministische Kommentare zum Alltag. Diese Erfahrungen bleiben nicht folgenlos: Sie wirken sich auf das Selbstwertgefühl, die eigene Handlungsfähigkeit und die Gesundheit aus.
Ich bin Zaina Filah, Empowerment-Trainerin und Gründerin des Frauensportstudios habiba in Hannover. Meine Bildungsarbeit und meine Leidenschaft für Sport haben mich zur Gründung von habiba geführt. Neben meinem Sportstudio gebe ich Workshops zu den Themen Female Empowerment und Rassismuskritik. Ein Workshop-Format, das ich entwickelt habe, ist das Boxcoaching. Dabei coache ich Frauen durch eine Kombination aus Boxen und Empowerment-Methoden. Ich arbeite insbesondere mit Frauen, die ihre Stimme stärken, ihre Grenzen schützen und ihre Selbstwirksamkeit erleben wollen. Die eigentliche Herausforderung für viele von ihnen besteht darin, sich in ihrem Engagement für unsere Gesellschaft gegen strukturelle Diskriminierung durchzuboxen.
Safe(r) Spaces – geschützte Räume
Empowerment ist für mich keine One-Woman-Show. Es ist ein kollektiver, machtkritischer Prozess. Frauen erleben Diskriminierung unterschiedlich – abhängig davon, welche Erfahrungen sie machen, etwa durch ihr Geschlecht, rassistische Zuschreibungen, Migrationserfahrungen oder soziale Herkunft. Diese Faktoren wirken häufig gleichzeitig und prägen, wie stark Belastungen sind und wo konkrete Unterstützung gebraucht wird.
Deshalb brauchen wir mehr Räume – sogenannte Safe(r) Spaces –, in denen Frauen sich gemeinsam stärken, voneinander lernen und solidarisch zusammenarbeiten können, nach dem Prinzip: gemeinsam stark. Gleichzeitig braucht es eigene, geschützte Räume, in denen Frauen mit bestimmten Diskriminierungserfahrungen unter sich sein können. Räume, in denen nicht erklärt oder relativiert werden muss, sondern in denen Austausch, Entlastung und das Entwickeln konkreter Handlungsstrategien möglich sind.
Gerade in Verwaltung und Ehrenamt wird häufig erwartet, professionell zu funktionieren und persönliche Betroffenheit auszublenden. Doch Diskriminierung verschwindet nicht durch Anpassung oder Schweigen. Im Gegenteil: Professionalität bedeutet, Diskriminierung als strukturelles Problem zu erkennen und Arbeitsbedingungen zu schaffen, die einen gesunden Umgang damit ermöglichen. Empowerment heißt hier, Erfahrungen einordnen zu können, strukturelle Zusammenhänge zu erkennen und handlungsfähig zu bleiben.
Kommunikation statt Argumentation
Communication is key – besonders dann, wenn Frauen in ihrem Arbeitsalltag mit diskriminierenden Aussagen, struktureller Abwertung oder subtilen Grenzüberschreitungen konfrontiert sind. Ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit ist deshalb Kommunikationstraining. Über klassisches Argumentationstraining hinaus bietet selbstbewusste Kommunikation nicht nur inhaltliche Sicherheit in Gesprächen. Denn es braucht mehr als gute Argumente, um einen gesunden Umgang mit Diskriminierung zu finden. Oft ist es eben keine Frage der Schlagfertigkeit.
Aus meiner Erfahrung geht es vielmehr darum, die richtigen Kommunikationstechniken zu nutzen, um nicht immer wieder in dieselben, kräftezehrenden Debatten zu geraten. Noch immer wird unterschätzt, wie stark sich alltägliche Diskriminierungserfahrungen auf die psychische und körperliche Gesundheit auswirken können. Deshalb trainieren wir gezielt Kompetenzen wie: Sprache bewusst wählen, Grenzen setzen, eigene Bedürfnisse klar kommunizieren sowie achtsam mit den eigenen Ressourcen und Kapazitäten umgehen. Dabei arbeiten wir mit einfachen Techniken, die direkt in die Praxis übertragen werden können – zum Beispiel durch den gezielten Einsatz von Körpersprache.
Viele Frauen wissen sehr genau, wofür sie stehen und welche Werte sie vertreten. Doch gerade in Situationen, in denen Machtverhältnisse spürbar werden, fehlt oft die Sicherheit, klar zu reagieren – nicht aus persönlicher Unsicherheit, sondern weil die strukturellen Rahmenbedingungen es erschweren.
Gute kommunikative Skills bieten Schutz und Professionalität im Arbeitskontext. Sie helfen dabei, Situationen einzuordnen, sich nicht selbst infrage zu stellen und handlungsfähig zu bleiben.
In meinen Workshops arbeite ich zum Beispiel mit Gleichstellungsbeauftragten zusammen – Frauen, deren Aufgabe es ist, Gleichstellung zu fördern und andere Frauen zu stärken. Dennoch berichten viele von ihnen, dass sie in ihrem eigenen Arbeitsalltag sexistische Kommentare oder Machtmissbrauch durch Kollegen oder Vorgesetzte erleben. Dieses Spannungsfeld ist enorm: Einerseits sollen sie empowern, vermitteln und strukturell wirken, andererseits müssen sie sich selbst schützen und behaupten. Nicht selten geschieht dieses Engagement auf Kosten der eigenen Gesundheit.
Genau deshalb ist es so wichtig, Frauen in solchen Rollen nicht nur als Multiplikatorinnen zu sehen, sondern ihnen selbst Empowerment-Räume zu bieten und ihre Arbeit sowie ihre Kompetenzen sichtbar wertzuschätzen.
Boxcoaching: Körper und Mindset empowern
Diskriminierung wird nicht nur gedanklich verarbeitet, sondern auch körperlich gespeichert. Deshalb verbinde ich Coaching bewusst mit Bewegung und nutze dabei unter anderem boxtherapeutische und traumapädagogische Methoden. In meinem Boxcoaching erleben Frauen ihre eigene Kraft über den Körper. Wir trainieren einen festen Stand, den bewussten Einsatz der Stimme, das Einnehmen von Raum und das Setzen von Grenzen – alles im Safe(r) Space.
Mit meiner Arbeit möchte ich Frauen in Bewegung bringen. Denn wenn wir unseren Körper bewegen, stoßen wir auch im Inneren etwas an: einen Prozess, der Selbstwirksamkeit, Selbstbewusstsein, Resilienz und Achtsamkeit fördert. Wenn innere Klarheit entsteht und die eigenen Werte und Ziele im Fokus stehen, fällt es leichter, den Herausforderungen im Außen zu begegnen und sich durchzuboxen. Boxen hilft dabei, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und einen Zugang zur eigenen Gefühlswelt zu finden.
Im Boxcoaching geht es darum, Selbstwirksamkeit zu erleben, ohne in der Opferrolle zu verharren. Gleichzeitig geht es darum, genauer hinzuschauen und Gefühle sichtbar zu machen. Erst dann können konkrete Handlungsstrategien entstehen, um mit herausfordernden Situationen und Diskriminierungserfahrungen umzugehen. Neben Bewegung und Coaching-Methoden nutzen wir theaterpädagogische Ansätze, um diese Strategien zu trainiert und sie im (Arbeits-)Alltag auch tatsächlich anwenden zu können.
Frauen in Verwaltung und Ehrenamt brauchen mehr als Durchhaltevermögen. Sie brauchen Räume, in denen ihre Erfahrungen ernst genommen werden, ihre Kompetenzen wachsen und ihre Selbstwirksamkeit gestärkt wird. Nur so kann ihre wertvolle Arbeit langfristig wirken – und unsere Gesellschaft gerechter mitgestalten.
Zaina Filah ist Empowerment-Trainerin und Gründerin des Frauensportstudios habiba in Hannover. Ihre Bildungsarbeit und ihre Leidenschaft für Sport haben sie zur Gründung von habiba geführt. Zaina Filah gibt Workshops zu den Themen Female Empowerment und Rassismuskritik.
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