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„Gender is over?!“ – Qualifizierungsreihe zu Gender und Geschlechterrollen geht zu Ende.

Rund zehn Studierende aus dem Projekt „Schuldialoge“ nahmen an der sechsteiligen Qualifizierungsreihe „Gender is over?!“ teil und setzten sich mit Themen wie „Sexuelle Identität und Orientierung“, „Teilhabe in der Migrationsgesellschaft“, „LGBTIQ* im Fluchtkontext“ oder „Transkulturelle Mädchen- und Jungenarbeit“ auseinander. Ziel war es, dialogische Methoden in der Arbeit mit Jugendlichen auf die Genderperspektive hin zu überprüfen und neue didaktische Formate und Settings für Bildungsarbeit kennenzulernen sowie Methoden zu erarbeiten bzw. weiterzuentwickeln, die im schulischen Kontext angewandt werden können. Die Reihe fand statt in Kooperation mit der Beratungsstelle G mit Niederachsen und wurde gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung.

Geschlechterpolitik und die Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen befinden sich in einem ständigen Prozess, der geformt wird durch Aushandlungen, Emanzipation und Rückschritte. Durch sich wandelnde Prozesse werden Möglichkeiten eröffnet, neue Formen des gesellschaftlichen und familiären Zusammenlebens zu diskutieren. Aktuell wird vor dem Hintergrund der Corona-Krise ein Backlash in alte Rollenmuster beobachtet. So schreibt die Soziologin Prof. Jutta Allmendinger: „Wir erleben eine entsetzliche Retraditionalisierung“ (ZEIT Online, 12.05.2020), in der Frauen ihre selbst gesteckten Ziel aufgeben, sich in das Familienleben zurückziehen und sich primär der Sorgearbeit widmen. Krisen würden Menschen zusammenrücken lassen, Aushandlungsprozesse und Konflikte werden vertagt.

Aber stellen doch eigentlich gesellschaftliche und individuelle Entwicklung traditionelle Rollenbilder in Frage, Aufgabenverteilungen in Familie werden neu verhandelt und selbst die lange bestehende Vorstellung einer Kernfamilie mit „Mutter, Vater, Kind“ stehen auf dem Prüfstand. Vielmehr rücken auch alternative Familienformen wie gleichgeschlechtliche Elternpaare oder Alleinerziehende in den Fokus.

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau der ist ein politischer Auftrag wie es beispielsweise in der Niedersächsischen Verfassung niedergeschrieben ist. Väterpolitik und die Diskussion um die Rolle der Väter in einer modernen Gesellschaft müssen somit im Kontext von Geschlechtergerechtigkeit, Rollenbildern und Familie und Gender betrachtet werden. Parallel dazu wächst die kulturelle Vielfalt in der Gesellschaft und wirkt als weiterer Einflussfaktor bestehender Rollenbilder. Entsprechend kann ein Diskurs über Geschlechterrollen und Gender nur unter Berücksichtigung eines transkulturellen Rahmens wirksam und nachhaltig geführt werden.

Deutschland hat in den letzten Jahren an Vielfalt gewonnen. Durch den Zuzug vieler Geflüchteter aus anderen kulturellen Kontexten müssen grundsätzliche Fragen nach Identität, Rollenmustern und Zuschreibungen divers bearbeitet werden. Insbesondere wenn die Zielgruppe von Jugendlichen in den Fokus genommen wird, spielen kulturelle Identität, Erziehung im Herkunftsland, Sozialisation und das Ankommen in einer neuen Kultur besonders wichtige Rollen.

Franziska Wolters (Pädagogische Mitarbeitende, Geschäftsstelle Hannover)

franziska.wolters@vnb.de

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