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SuGiS – Sexualitäten und Geschlechter im Spiegel

Am 01. März 2020 startete der VNB das Projekt SuGiS – Sexualitäten und Geschlechter im Spiegel (SuGiS). SuGiS will mit einer mobilen Ausstellung zu Sexualitäten und geschlechtlicher Vielfalt im transkulturellen Kontext soziale Gruppen mit und ohne Migrationskontext ins Gespräch bringen, die sich auch aufgrund ihrer divergierenden Einstellungen zu diesen Themen voneinander abgrenzen. Geschlechtsidentitäten, Sexualitäten sowie Beziehungs- und Lebensmodelle stellen zentrale Strukturkategorien dar, die in jeder Gesellschaft das Zusammenleben der Menschen regeln. Insofern hat jedes Individuum und jede Kultur eine Haltung zu diesen Strukturkategorien: was ist erlaubt und was nicht? Was wird wie bewertet? Als Ausgangspunkt der Ausstellung dient der Themenkomplex Sexualität und LSBTI* (das Akronym steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*- und inter*geschlechtliche Menschen), da hier hinsichtlich des Abbaus von Diskriminierungen weiterhin besonderer Handlungsbedarf besteht. Die Ausstellung zeigt, dass der Umgang mit gleichgeschlechtlicher Sexualität sowie Trans* und Inter*geschlechtlichkeit eingebunden ist in die jeweiligen Kulturen und Epochen und deren Verständnis von Sexualitäten und Geschlechtern – hier und anderswo. Entsprechend wird die Ausstellung darstellen, wie gleiche Sachverhalte, beispielsweise gleichgeschlechtliche Sexualität zwischen Männern oder die Ehe, unterschiedlich beurteilt oder auch gesetzlich geregelt wurden und werden. Durch die Vielfalt der in der Ausstellung thematisierten Beurteilungen und Regelungen sollen aber auch nicht beachtete transkulturelle Verbindungslinien deutlich werden hinsichtlich des Umgangs mit Sexualitäten, Geschlechterrollen und geschlechtlicher Identität. Im Blick behalten werden dabei unterschiedliche Sichtbarkeiten von gleichgeschlechtlicher Sexualität bei Männern und Frauen sowie von Trans*- oder Intergeschlechtlichkeit, dies auch bezogen auf Migrationskontexte.

Darüber hinaus soll durch eine kulturelle und historische Kontextualisierung der westlichen LSBTI*-Identitäten den Bewertungen und Zuschreibungen wie „fortschrittlich“ und „rückständig“ im Hinblick auf andere Kulturen entgegengearbeitet werden. Damit wird SuGiS die aktuell im politischen Diskurs vorherrschende Haltung hinterfragen, den Umgang mit gleichgeschlechtlicher Sexualität oder Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit in „westlichen Gesellschaften“ als Maßstab für die Beurteilung anderer Gesellschaften vorzugeben. Die gesellschaftlichen – und auch materiellen – Voraussetzungen, die die Entwicklung einer Identität als „Lesbe“, „Schwuler“ bzw. trans* oder inter*geschlechtliche Person ermöglichen, sind sowohl in der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft als auch den meisten LSBTI*-Menschen kaum bewusst. SuGiS will hier Aufklärung leisten. Gleiches gilt hinsichtlich des vielfältigen Umgangs mit Sexualität im Allgemeinen und sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Besonderen außerhalb von westeuropäischen Kulturkreisen und deren historischen und transkulturellen Verbindungslinien und Einflüssen, die heute noch wirksam werden. Dabei werden auch Folgen der Kolonisierung vieler Länder berücksichtigt.

Die Ausstellung soll zum Ausgangpunkt für die Schaffung von Begegnungen von Menschen mit und ohne Migrationskontexten jenseits der eigenen „Filterblase“ dienen, Wissen vermitteln und Verständnis ermöglichen. So sollen inhaltliche Debatten und echter Dialog an die Stelle von Parolen und Abwertungen des Fremden treten. Sowohl LSBTI*Strukturen als auch Interessenvertretungen von Menschen mit Migrationskontexten (MSO) werden in die Entwicklung der Ausstellung einbezogen.

Voraussichtlich im Februar 2021 wird die Ausstellung in Hannover erstmals präsentiert werden. Anschließend soll sie in Kooperation mit lokalen Organisationen in möglichst vielen Kommunen landesweit gezeigt werden. Dazu soll jeweils ein Begleitprogramm aus Vorträgen und Angeboten für Schulen entwickelt werden. Damit an Ausstellungsorten eine pädagogische Begleitung möglich ist, werden ehrenamtliche Ausstellungsbegleiter*innen ausgebildet werden. Die Inhalte der Ausstellung und vertiefende Materialien werden zudem auf einer Projektwebseite bereitgestellt werden.

Das von der VNB-Geschäftsstelle Göttingen verantwortete Projekt ist erreichbar über das Projektbüro von G mit Niedersachsen, Am Marstall 15, 30159 Hannover.

Projektleitung: Kadir Özdemir

Kontakt unter:

E-Mail:  kadir.oezdemir@vnb.de

Tel:        0511-45001882